Griechenlandaustausch 2016 –

ein interessanter Zusammenprall zwei verschiedener Kulturen

Die IGS Osterholz-Scharmbeck hat dieses Jahr Schülern der 11. Klasse einen Austausch mit einem ganz besonderen Land ermöglicht – Griechenland. Bereits letztes Jahr machte sich ein Lehrer-Team unserer Schule auf dem Weg nach Griechenland, zum einen, um Bekanntschaft mit den beiden dortigen Partnerschulen zu machen, zum anderen, um mit Zeitzeugen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges Kontakt aufzunehmen. Besonderer Dank gebührt hierbei Herrn Trifon Kechagias, einem Lehrer unserer Schule, der aus der dortigen Ortschaft Ptolemaida stammt und die Zusammenarbeit mit unserer Schule durch seine Ideen erst ermöglichte.

Der Austausch und die Kontaktaufnahme mit den Zeitzeugen basiert auf einem ganz besonderen Vorhaben: Während des 2. Weltkrieges geschahen in der Region Ptolemaida schreckliche Massaker, ausgeführt von deutschen Soldaten. Viele unschuldige Menschen verloren dabei ihr Leben. Ziel unseres Austausches ist es daher, der vielen Opfer der damaligen Geschehnisse zu gedenken und ihre Namen für die Nachwelt in Erinnerung zu halten. Dies soll durch Tonziegel ermöglicht werden, auf denen die Namen der Opfer und deren Todesalter verewigt sind. In Griechenland werden diese Ziegel dann schließlich auf einer Gedenkstätte aufgestellt, deren Umgebung zusätzlich noch von den Schülern mit Bäumen bepflanzt wird. Jahr für Jahr sollen weitere Ziegel und Bäume folgen.

 

Dieses Jahr fand der Austausch zum allerersten Mal statt.
Vom 14. bis zum 21. Januar waren die Griechen bei ihren Austauschschülern zu Gast und und wohnten eine Woche lang in den jeweiligen Familien. Insgesamt konnten sich 6 Mädchen und 6 Jungen für diesen Austausch melden.

Es nahmen teil:
Annemarie Stabel, Berit Schröder, Jantje Ness, Laura Buck, Victoria Szymanczyk, Laura Blümel, Denis Berisha, Jan-Lukas Korn, Jannik Lindemann, Masar Berisha, Max Tietjen und Tjark Schelske.

Die betreuenden Lehrer des Griechenland-Projektes sind Frau Albes-Bielenberg, Frau Jeske, Frau König, Frau Zörner, Herr Hanisch und Herr Kechagias. In diesem Schuljahr betreuen und begleiten Frau Jeske, Herr Hanisch und Herr Kechagias das Projekt, im nächsten Schuljahr Frau König, Frau Zörner und Herr Kechagias.

Aufgrund einiger Umstände war die diesjährige Besuchszeit hier in Deutschland recht kurz, dennoch bot sich genug Platz für viele spannende Erlebnisse. Ziel ist es, im Folgenden diese mit euch zu teilen, da wir euch zeigen wollen, wie besonders so ein kulturelles Zusammentreffen und insbesondere natürlich auch eine solch länderübergreifende Freundschaft eigentlich sind.

Unser Programm kam insgesamt sowohl bei den Griechen, als auch bei den Deutschen sehr gut an. Der Austausch begann am Freitag nach der Ankunft mit einem leckeren Frühstück, um unsere hungrigen Mägen zu füllen. Kleine Schnittchen und andere feine Speisen wurden von Schülern des WPK – Schulservices aus Jahrgang 9 aufgetischt. Alles wurde begeistert gegessen, auch wenn letzten Endes doch ein wenig übrig blieb.

Direkt danach folgte eine Rede der Stadträtin im Rathaus. Die Griechen wurden offiziell in unserer Stadt willkommen geheißen und uns allen wurden ein paar schöne spaßerfüllte Tage gewünscht. Darauf folgte eine Stadtbesichtigung. Wir präsentierten den Griechen all die kleinen und schönen Dinge, die uns Osterholz-Scharmbeck jeden Tag so bietet, darunter auch die St. Willehadi-Kirche und der Stadtpark.

Eine weitere – wenn auch sehr kalte - Stadtführung fand am nächsten Tag statt. Gemeinsam mit den Griechen fuhren wir nach Bremen, wo die Mutter eines unserer Mitglieder am Griechenlandaustausch uns eine schöne und äußerst informative Führung durch die bunten Straßen der Hansestadt bot. Verbunden wurde der Besuch in Bremen mit einer Besichtigung des Doms, durch den uns Pastor Henner Flügger höchstpersönlich bis in den Turm führte. Der stolze Innenaufbau des Doms beeindruckte Griechen wie auch Deutsche gleichermaßen. Nach den beiden Besichtigungen blieb uns noch genug Zeit, gemeinsam mit den Griechen die Stadt selber ein wenig zu erkunden. Dies bereitete allen viel Spaß, nur das verschneite Winterwetter sorgte für mehrfaches Klagen.

Auch der Trip nach Hamburg, der mit einer Bootstour verbunden wurde, sorgte für große Freude unter den Deutschen und ihren Austauschschülern, auch wenn hier der lange Marsch durch alle interessanten Viertel sowie die Hafen-City manchen Fuß schmerzen ließ. Dass allerdings alles nicht nur zum puren Vergnügen, sondern auch ein gewisser Respekt zur Geschichte vorhanden war, bewiesen der Besuch in dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel, wie auch eine gemeinsame Diskussion mit Erasmus-Studenten der Uni-Bremen, mit denen wir uns schon einmal auf die Zeitzeugenbefragungen in Griechenland vorbereiteten.

Selbstverständlich wurde auch das Allerwichtigste nicht vergessen: Die Gestaltung der Gedenktafeln. Die Deutschen arbeiteten mit ihren Austauschschülern in Teams, da für jedes Opfer sowohl eine deutsche, als auch eine griechische Tafel erstellt wurde. Hierbei zeigte sich besonders gut, dass Ernst und Spaß miteinander verbunden werden können.

Der Austausch war insgesamt ein sehr facettenreiches Aufeinandertreffen zwei verschiedener Kulturen. Die Griechen zeigten gleich zu Beginn keinerlei Scheu. Sie waren offen, locker und entspannt, suchten ständig Gespräche, stellten Fragen und waren unglaublich neugierig. Einige empfanden die Griechen als ein wenig laut – doch das lag an ihrer kommunikationsfreudigen Art, sie nutzten jede freie Minute, um sich auszutauschen. Ihre Offenherzigkeit und Kontaktfreude überraschte viele von uns, doch genau das machte es für uns leichter, die eigenen Unsicherheiten auszuradieren. Sie begegneten uns wie alte Freunde, die man lange nicht gesehen hat.

Sich an ihre Mentalität zu gewöhnen, war zu Anfang recht schwer. Allerdings schmolz das Eis zwischen uns ziemlich schnell und zwar nach dem ersten gemeinsamen Abend, den wir alle zusammen auf dem Winterball in Oldenbüttel verbrachten. Wir quetschten uns zu 24 an einen Tisch, der eigentlich für 12 Personen gedacht war. Aber es passte. Nach und nach trauten sich alle auf die Tanzfläche – und sobald alle drauf waren, wollte niemand mehr runter. Wir tanzten die gesamte Zeit, amüsierten und unterhielten uns. Die Griechen wissen wirklich, wie man feiert, das haben wir alle schnell erkannt– ohne sie hätten wir nur halb so viel Spaß gehabt. Und dank dieses Abends konnte ein Vorurteil der Griechen uns gegenüber ausgeräumt werden; dass wir Snobs wären! Die Griechen hatten genauso viel Vergnügen mit uns wie wir mit ihnen.

An den Wochenenden hatten wir Zeit, mit unseren Gästen etwas privat zu unternehmen. Einige besuchten die Küste. Es war für die Griechen sehr eindrucksvoll, das Wattenmeer zu sehen und erlebt zu haben, dass der Ozean auch einmal weg sein kann!

Manche fuhren nach Bremen zum Schlittschuhfahren und verbrachten dort eine spaßige Zeit. Die paar gemeinsamen Abende, die wir nach dem Programm zusammen verbrachten, haben sich immer gelohnt – gemeinsam mit den Griechen zu feiern, ihnen unser Bier zu Gemüte zu führen und sich zu unterhalten, war super!

Die Griechen waren sehr gesellig. Sie suchten ständig Möglichkeiten, etwas gemeinsam zu machen, sie organisierten zum Teil mehr, als wir Deutsche selber.

Natürlich war das nicht immer möglich, aber es fiel uns allen leicht, gute Kompromisse zu finden. Die Griechen waren sehr erpicht darauf, uns ihre Kultur näher zu bringen und uns zu zeigen; an gemeinsamen Abenden brachten sie uns ihre typischen Tänze bei. Selbst an dem Abschlussabend, an dem alle Eltern und einige Lehrer anwesend waren, zeigten sie keine Scheu und legten eine Tanzeinlage ein. Für alle Anwesenden war es ein Vergnügen – bis zu dem Moment, als wir selbst auf die Tanzfläche gebeten wurden, und wir hatten schlicht keine Chance nein zu sagen!

Ihre Vorstellung von Pünktlichkeit unterschied sich zum Teil sehr stark von der unseren. Die Griechen waren gemächlich und ließen sich bei allem Zeit und nicht immer waren wir pünktlich. Während wir als Deutsche uns tausend Gedanken machen, sind die Griechen einfach gelassen. Sich daran zu gewöhnen, war ebenfalls schwer, da wir einen komplett anderen Lebensrhythmus gewohnt sind – darin unterschieden wir uns sehr, aber es war eine nette Herausforderung, um sich in Geduld zu üben! In Hamburg erlebten wir auch deswegen ein ziemliches Abendteuer; Innerhalb von 5 Minuten schafften es einige von uns, nach dem Weg zum Bahnhof zu fragen, dann durch Menschenmassen zu sprinten –mit schweren Einkäufen-, zwei Treppen zu steigen und den Zug eine Sekunde vor der Abfahrt zu erwischen!

Insgesamt war der Austausch eine tolle Erfahrung. Es herrschten keine Vorurteile, die Atmosphäre war unbelastet und entspannt. Mit den Griechen konnte man interessante Gespräche führen und es sind neue Freundschaften entstanden. Die Zeit mit ihnen war ausgesprochen lustig – es wurden ständig Selfies gemacht. Immer, Überall, mit jedem und von allem wurden Bilder gemacht. Die Griechen haben uns allen gut gefallen. Natürlich war es zwischenzeitlich wirklich anstrengend und manchmal ging die Müdigkeit mit einem durch. Aber wir alle empfehlen diesen Austausch weiter, es war ein echtes und spannendes Abenteuer.

Und wir sind sehr gespannt auf die Zeit in Griechenland!

Jan-Lukas Korn und Laura Blümel

PS:
Jan-Lukas und ich wollen uns ganz herzlich bei Ihnen und euch allen, (Lehrern sowie unserer Gruppe) für die super Zeit zusammen bedanken und dafür, dass ihr uns alle nochmal eure Eindrücke für den Bericht übermittelt habt. Das war uns beiden eine große Hilfe! ;-)

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